Simon Elias SchauggArchiv
Der Bösendorfer-Flügel, an dem Simon Schaugg spielt, mit Coltranes „Equinox“ und „When I Fall In Love“ auf dem Notenpult.

Klavier · aktiver Instrumentalist seit 2003

Was sich nicht sagen lässt, findet im Klang Ausdruck.

Musik als Denken ohne Worte

Musik ist für mich eine weitere Sprache. Manche Erfahrungen lassen sich gut in Worte fassen, andere weniger. Beim Improvisieren interessiert mich genau dieser Bereich, in dem etwas entsteht, bevor es sich erklären lässt.

Wie in der Psychologie oder im Zeichnen fasziniert mich weniger das fertige Werk als der Moment seines Entstehens. Improvisation verbindet Wahrnehmung, Erinnerung, Intuition und Technik auf eine Weise, die sich kaum vollständig planen lässt. Sie verlangt Aufmerksamkeit für den Augenblick — für den eigenen Gedanken ebenso wie für die Menschen, mit denen man spielt.

Vielleicht hat mich gerade deshalb der Jazz so angezogen. Er verbindet Freiheit und Struktur, Können und Offenheit. Jede Improvisation ist einmalig und verschwindet unmittelbar wieder. Gerade diese Vergänglichkeit macht sie für mich zu einer der unmittelbarsten Formen menschlichen Ausdrucks.

Mich interessiert dabei weniger die Musik selbst als die Frage, was sie über den Menschen erzählt. Warum entstehen musikalische Ideen? Weshalb können Klänge manchmal ausdrücken, wofür Worte nicht ausreichen? Und was geschieht in uns, wenn wir gemeinsam improvisieren?

Aquarell von Simon Schaugg: zwei Figuren am Klavier, ineinander verschränkt über der Klaviatur.

Aquarell

Zwei am Klavier

Zweisamkeit ohne Worte. Geteilte Aufmerksamkeit. Geteilter Raum. Geteilter Klang.

Die linke Hand · Fundament

Seit 2011 begleitet mich das Klavier kontinuierlich. Den Grundstein legte der klassische Unterricht bei Markus Tyroller in Heidelberg. Es folgten acht Jahre Konzertchor unter Matthias Rickert, ein Jahr Bigband unter Dr. Peer Hübel sowie das Musikabitur mit 15 Punkten in schriftlicher Prüfung, Gehörbildung und Klaviervortrag.

Technik, Gehörbildung und musikalische Form waren für mich nie Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, später freier spielen zu können.

Die rechte Hand · Freiheit

Mit dem Jazz rückte die Improvisation in den Mittelpunkt. Mich faszinierte zunehmend weniger das möglichst genaue Wiedergeben bereits geschriebener Musik als der Moment, in dem etwas Neues entsteht.

Ein Gastsemester in Jazzpiano und Musikwissenschaft an der Hochschule für Kirchenmusik und der Universität Heidelberg vertiefte dieses Interesse. Unterricht bei Prof. Christoph Georgii, Prof. Carola Keil und seit 2025 bei Yuriy Sych führte mich weiter in die Improvisation — und schließlich auch zu der Frage, wie Kreativität überhaupt entsteht.

Eine Biografie in Lehrern

2011–2021KlavierunterrichtMarkus Tyroller · bimu Heidelberg
2013–2021Konzertchor des St.-Raphael-Gymnasiums.U. a. Teilnahme am Badischen Chorwettbewerb (Auszeichnung als „Konzertchor“), u. a. Aufführung von Faurés Requiem.St.-Raphael-Gymnasium
2021Musikabitur — beste Prüfungen des Jahrgangs (Schriftlich, Gehörbildung, Klaviervortrag), je 15 Punkte.Programm: Bachs Präludium b-Moll (Wohltemperiertes Klavier, Pflichtstück), Chopins Etüde op. 25 Nr. 1, Chatschaturjans Toccata und freie Jazzimprovisation über „Misty“ (Erroll Garner)St.-Raphael-Gymnasium
2022Gastsemester Jazzpiano & MusikwissenschaftHfK & Universität Heidelberg
2022Jazzpiano bei Prof. Christoph Georgii, Stimmbildung bei Prof. Carola KeilHfK Heidelberg
2025Jazzpiano bei Yuriy SychMusikschule Frankfurt · Hessischer Jazzpreis

Auftritte

Musik entstand für mich lange vor allem im privaten Raum. Erst in den letzten Jahren kamen Jam Sessions und kleinere öffentliche Auftritte hinzu.

Simon Schaugg mit seiner Band beim Auftritt im Netzwerk Seilerei, Frankfurt, 6. Juni 2026: die Bühne in rotes Licht getaucht.
Netzwerk Seilerei · 06.06.26
Simon Schaugg mit seiner Band auf der Bühne im Netzwerk Seilerei, Frankfurt, 6. Juni 2026: Keyboard, Gesang und Schlagzeug im roten Bühnenlicht.
Netzwerk Seilerei · 06.06.26
Jamsession mit Simon Schaugg im Casablanca Frankfurt, Dezember 2025: Musiker mit Gitarren und Notenständern unter Wimpelketten.
Casablanca Frankfurt · Dezember 2025
Jamsession mit Simon Schaugg im Casablanca Frankfurt, Dezember 2025: ein Saxophonist im Vordergrund, dahinter die übrige Band.
Casablanca Frankfurt · Dezember 2025
Simon Schaugg beim Üben an einem Yamaha-Flügel.

Kawai MP11SE · Kontrabass · Gesang · Schlagzeug

Zuhause

Das Klavier in Heidelberg.

An diesem Instrument entstanden über viele Jahre Improvisationen — und oft auch erste Ideen für Texte, Zeichnungen oder wissenschaftliche Arbeiten. Zwischen diesen Bereichen gab es für mich nie eine klare Grenze.

Das Klavier, an dem Simon Schaugg in Heidelberg übt: ein schwarzes Piano mit Noten im Wohnzimmer, daneben ein gedeckter Tisch.

Wo Musik und Psychologie sich begegnen

Seminararbeit · Biopsychologie · Note 1,0

Neuronale Grundlagen musikalischer Improvisation

Irgendwann wollte ich dieselbe Frage nicht mehr nur musikalisch, sondern auch wissenschaftlich verstehen. Was geschieht im Gehirn, wenn wir improvisieren?

Für eine Seminararbeit bei Prof. Christian Fiebach an der Goethe-Universität Frankfurt habe ich den Forschungsstand zur musikalischen Improvisation zusammengetragen — unter anderem zu Kreativität, motorischer Planung und der vorübergehenden Hemmung bewusster Kontrolle.

Die Arbeit verbindet zwei Bereiche, die mich seit vielen Jahren begleiten: Musik als unmittelbare Form des Ausdrucks und Psychologie als Versuch, menschlichen Ausdruck besser zu verstehen.

↓ PDF lesen→ weiter zur Forschung