Kunst · Zeichnungen, Fotografien und Serien · 2019–2026
Denken und Fühlen
in Bildern.
Nicht alles lässt sich erklären. Manche Fragen brauchen Linien statt Begriffe.
Die Zeichnungen entstehen dort, wo Sprache an ihre Grenze kommt. Sie sind keine Illustrationen meiner Forschung und keine bloßen Skizzen persönlicher Erlebnisse, sondern eine weitere Form des Nachdenkens über dieselben Fragen: Identität, Schuld, Verantwortung, Freiheit, Erinnerung und das menschliche Miteinander.
Während die Psychologie versucht zu beschreiben, wie Menschen denken und handeln, interessiert mich hier, wie sich menschliche Erfahrung darstellen lässt.
Künstlerische Prägung
Kunst gehörte für mich nie zu den Dingen, die man irgendwann entdeckt — sie war von Anfang an Teil der Familie. Mein Großvater Lui Schaugg arbeitete als freischaffender Maler am Bodensee; auch andere Angehörige beschäftigen sich mit Malerei, Grafik, Kunstgeschichte, Glaskunst und Gestaltung. Zeichnungen, Ateliers und Ausstellungen gehörten deshalb selbstverständlich zu meiner Kindheit.
Vielleicht suche ich deshalb bis heute nach unterschiedlichen Sprachen für dieselbe Frage.
Reflexion · I von V
Das Wesen der Kunst ist immer die Geschichte. Und die Geschichte ist nicht das Wort — das Wort ist nur eine Annäherung an die Geschichte, genau wie es das Bild ist und das Lied.
Gezeichnete Gesichter
Tusche · Aquarell · Marker · 2021–2023
Gesichter gehören zu meinen wiederkehrenden Motiven. Mich interessiert dabei weniger das Porträt einer bestimmten Person als der Ausdruck menschlicher Erfahrung. Die Figuren stehen selten für einzelne Menschen. Sie sind Verdichtungen von Erinnerungen, Empfindungen und Fragen, die viele kennen.
Zwischen Ernst und Ironie, Verletzlichkeit und Absurdität kreisen die Zeichnungen um Schuld, Freiheit, Verantwortung, Würde, Sehnsucht, Gewalt und Trost. Manche Figuren bleiben anonym, andere wirken vertraut. Einige bewegen sich bewusst zwischen Mensch und Symbol, zwischen Wirklichkeit und Traum.
Die Arbeiten entstanden über mehrere Jahre hinweg. Manche innerhalb weniger Minuten, andere entwickelten sich über Wochen oder Monate. Zusammen bilden sie kein Tagebuch, sondern ein fortlaufendes Archiv von Beobachtungen über das Menschsein.
„Blauer Vogel, tauber Vogel, verbrauchter Vogel, zerstaubter Vogel, beraubter Vogel. Gib das Träumen auf. Niemals wirst du fliegen, Vogel. Niemals wirst du frei.“
Blauer Vogel · Tusche & Marker · 04.06.23
„Steh zu deinen Taten. Auch eine gerechte Strafe ist ein Verbrechen.“
schuld · Aquarell & Tusche · 2023
„Dann bekamst du immer dieses ängstliche Flackern in deinen warmen Augen. Bis heute muss ich deshalb weinen.“
Schuld · Aquarell · 18.06.23
Haltung
Kunst muss ernst sein. Meine muss es.
Sie braucht ernste, unerbittliche Augen.
Dicht und ernst muss es sein.
Ich will mich unerbittlich veräußern — konsequent und ohne Zweifel.
Reflexion · II von V
Der Mensch liebt die Schönheit der Geschichte, das, was wir Romantik nennen. Aber die tiefere Schönheit liegt auch im Kalten, im Kargen — die tiefe Schönheit der Geschichte, die ein jedes Ding erzählt.
Originale
Fotografiert statt gescannt.
Papier, Ringe, Schatten, Papierwölbungen und Gebrauchsspuren bleiben bewusst sichtbar. Die Zeichnungen sollen nicht nur als Motive erscheinen, sondern auch als Gegenstände mit eigener Geschichte — so, wie sie tatsächlich entstanden sind.






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Buch mit KI freigestellt, Zeichnungen original
Reflexion · III von V
Die Geschichten sind da, sobald sie gelebt werden. Sie existieren unabhängig von allem anderen. Aber sie überlagern sich, schreiben sich um, fressen sich gegenseitig — und man erreicht sie dann nicht mehr.
Das Urteil
Digitale Serie · 2025
Während sich die frühen Zeichnungen vor allem mit individuellen Innenwelten beschäftigen, richtet sich der Blick hier stärker auf soziale Rollen, Macht, Urteil und öffentliche Wahrnehmung.
Die Figuren erscheinen nicht mehr isoliert, sondern als Teil größerer Beziehungen und Systeme. Fragen nach Schuld und Verantwortung bleiben bestehen, verschieben sich jedoch vom Individuum auf gesellschaftliche Zusammenhänge.






Reflexion · IV von V
Deshalb ist es so wertvoll, wenn wir sie einfangen können — in einem Bild, einem Satz, einer Musik. Um sie behalten zu können. Um sie besitzen zu können. Vielleicht ist es der größte Schatz, den wir haben.
Raumgründe
Digitale Malerei · 2020
Diese Serie entstand aus einer einfachen Aufgabe: Natur darstellen.
Mich interessierte jedoch weniger, wie Natur aussieht, sondern was sie ausmacht. Was bleibt von einer Landschaft übrig, wenn man immer mehr Details entfernt? Wann entsteht aus wenigen Farben bereits das Gefühl von Weite, Licht oder Wetter?
Deshalb entschied ich mich bewusst für digitale Malerei — ein Medium, das der Natur zunächst fern erscheint. Gerade dieser Gegensatz reizte mich: mit einem künstlichen Werkzeug etwas Organisches sichtbar zu machen.
Die Arbeiten versuchen nicht, Landschaften abzubilden. Sie suchen nach ihrer Essenz.
Wolken, Licht, Horizonte und organische Formen tauchen immer wieder auf. Manche Bilder bleiben gegenständlich, andere lösen sich fast vollständig in Farbe und Raum auf. Mich interessierte, wie wenig ein Bild braucht, damit der Betrachter dennoch Natur empfindet.
Rückblickend erkenne ich darin bereits eine Frage, die sich bis heute durch meine Arbeit zieht: Nicht das Sichtbare möglichst genau wiederzugeben, sondern dem Wesen einer Erfahrung näherzukommen.
„Mein Anspruch war, nicht direkt die Natur darzustellen, sondern eher die Essenz, das Wesen dessen.“
„Die Frage, wie man durch möglichst wenig Mittel Raum erzeugen kann, fasziniert mich schon seit längerem.“
„Wolken können jedem Tag ein Gewicht und eine Stimmung verleihen, wie es kein strahlend blauer Himmel vermag.“





Reflexion · V von V
Letzten Endes ist es immer das, was die Kunst ist. Was sie versucht. Woran sie sich abarbeitet: der Versuch, die Geschichte einzufangen — die Faszination, die Geschichte, in diesem Moment.
Das Atelier
Der Raum, in dem die Arbeiten entstehen.
Zwischen Zeichnungen, Büchern, Instrumenten und Notizen. Kein abgeschlossenes Atelier, sondern ein Arbeitsraum, in dem sich Psychologie, Kunst, Musik und Schreiben begegnen.
Erste Ausstellung
Gemeinsam mit Ulrike Schaugg und Christine Hausotter
Juni 2024
Die erste öffentliche Präsentation der Arbeiten. Ein Schritt aus dem privaten Arbeitsprozess in den öffentlichen Raum — und damit ein weiterer Abschnitt eines Archivs, das weiter wächst.






Das vollständige Archiv
Was hier nicht steht.
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